Begrüßungsworte & Vorstellung der Künstler

Guten Abend, hallo, herzlich willkommen zur SCHAU02!

Wir freuen uns über die mittlerweile 3. Veranstaltung in diesem Jahr und vor allem, dass diese so gut angenommen werden.

Unser Konzept ist es, bei jeder SCHAU mehrere Künstler unterschiedlicher Disziplinen in immer neuen Locations auszustellen. Vielen Dank an das betahaus für diese wunderbare Räumlichkeit und die Begeisterung für unsere Idee.

Thematisch legen wir uns keine Fesseln auf, unsere SCHAUen sind lediglich chronologisch durchnummeriert und lassen so den Raum, jeden Künstler mit seinen Eigenheiten aufleben zu lassen.
Wir freuen uns, dass die ausstellenden Künstler alle anwesend sind und wohl darauf warten nach meiner kürzen Begrüßung in Gespräche verwickelt zu werden.

Heute Abend geben wir 8 Künstlern Raum sich zu präsentieren: unterschiedlicher Nationalität (koreanisch, georgisch, deutsch), unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Disziplinen (Malerei, Fotografie, Objekte/Skulptur, Lithografie, Medien und Schauspiel).

Das Schauwerk möchte genau dieser Vielfalt in seinem Zusammenspiel eine Plattform bieten und gezielt, teils noch unentdeckte oder junge Kunst und Künstler fördern.
Wir tun dies als gemeinnütziger Verein mit rein ehrenamtlichem Engagement und purer Leidenschaft als Motivation.

Lassen Sie mich noch auf die wesentlichsten Bestandteile einer SCHAU eingehen: Künstler, Werk und Betrachter.

Dabei ist das Können und Kennen des Künstlers der Kern unseres Interesses. Ich möchte dazu Herder’s bekannten Aphorismus heranziehen:


„Kunst kommt von Können... Kunst kommt von Können oder Kennen her (nosse aut posse), vielleicht von beiden, wenigstens muß sie beides in gehörigem Grad verbinden. Wer kennt, ohne zu können, ist ein Theorist, dem man in Sachen des Könnens kaum trauet; wer kann ohne zu kennen, ist ein bloßer Praktiker oder Handwerker; der echte Künstler verbindet beides.“



Aber was heißt „Können“ im 21. Jahrhundert?
In einer Zeit, die durch Komplexität und Vielfältigkeit, sagen wir gar Unordnung gezeichnet ist. In Bezug auf die Gegenwartskunst könnte man sogar, und verstehen Sie mich nicht falsch, von Stillosigkeit sprechen.
„Stil“, „Epoche“ oder „Strömung“ haben in unserer Zeit als Ordnungskriterien kein Gewicht mehr und somit ändert sich auch die Perspektive auf das Können und das Kennen.

Heute bieten sich Strategien und Konzepte als Orientierung an.
Die Idee oder das Konzept dahinter ist Dreh- und Angelpunkt des künstlerischen Schaffens und nicht mehr bestimmte Techniken oder stilistische Strömungen.

Das Kunstmagazin art schlug vor, die Gegenwartskunst bzw. das Können aktueller Künstler nach folgenden Essenzen zu kategorisieren: die Kunst kann irritieren, inspizieren, inszenieren, transformieren, collagieren, erzählen, negieren, provozieren, ironisieren oder auch partizipieren lassen.

Diese ordnenden Klassen oder Essenzen können vom Betrachter der Werke erkannt, aber im Idealfall nicht verstanden werden. Denn das bewahrt ihren Reiz.

Ich möchte gleich bei der Vorstellung unserer Künstler diese Kategorien nicht als abgeschlossen nehmen, sondern das Prinzip übernehmen und den Künstler als Person miteinbeziehen.
Zum Kennen des Könnens gehört für den Betrachter eben nicht nur das Konzept der Kunst. Sondern auch eine Annäherung an die Person und das Selbstverständnis des Künstlers, um einen tieferen Zugang zu bekommen.

Hierzu möchte ich mit ein paar Worten die Künstler der heutigen SCHAU vorstellen.

Ucha Janelidze kam 2007 als DAAD-Stipendiat aus Georgien nach Deutschland, wo er heute Freie Kunst an der UdK studiert.
Sein Können setzt auf das Auseinandersetzen. In seinen Werken finden sich aktuelle gesellschaftliche Themen wieder, die ihn beschäftigen und die so als Inspiration für die Betrachter dienen sollen, sich verbal oder gedanklich damit auseinanderzusetzen.

Für die Südkoreanerin Youngi Jaster ist Kunst in immer neuen Formen schon seit mehr als 35 Jahren fester Bestandteil ihres Lebens. Ihr Können setzt auf das Bewegen – das Bewegen der Gefühle und Gedanken der Betrachter und das Bewegen von sich selbst. Das Spannungsfeld ihrer Malerei schöpft sie aus farblichen Eindrücken, die sich nachhaltig in sie einbrennen. Diese setzt sie direkt in ihren Bildern um. Künstlerischer Ausdruck ist für sie eine konstante Neuerfindung ihrer selbst.

Meike Kenn, die einzige und einzigartige Fotografin dieser Schau, möchte mit ihren inszenierten Fotoarrangements komplexe Geschichten in einem Bild erzählen. Ihr Können setzt auf Narration. Sie hat an der Lette-Schule studiert und ist heute Meisterschülerin an der Ostkreuzschule.

Seungyoun Lee kam 2005 zum Studium der Medienkunst aus Seoul nach Leipzig. Dieses Jahr hat sie als Meisterschülerin an der UdK mit Schwerpunkt Medienkunst und Film ihr Studium abgeschlossen. Ihr Können setzt auf die Poetisierung oder auch Philosophierung. Mit ihren Medienarbeiten schafft sie irreale Situationen, in denen sie sich mit Themen der Literatur, Philosophie oder Psychologie auseinandersetzt. In den zwei hier ausgestellten Werken abstrahiert sie koreanische Traumdeutungen und konfrontiert den Betrachter unumgänglich mit seinen eigenen, meist westlichen Konnotationen.

Rouven Materne, ein echter Berliner, studiert aktuell Freie Kunst an der UdK. Sein Können setzt auf Teilhaben. Einerseits im Sinne des Teilhabens der Betrachter an seinem „ICH“, welches er über seine Objekte und Lithografien ausdrückt und schon immer im Zeichnen ausgedrückt hat. Und andererseits Teilhaben im Sinne seiner Teilhabe, seines Eingliederns in die Welt über die Kunst.

Julian Schwokowsky arbeitet mit Eindrücken der Bewegung im Alltag, die er in seine Werke transformiert. Er lotet die Möglichkeiten von Farbe als eigenständiger Kraft aus. Sein Können setzt auf Transzendieren. Mit dem Bild möchte er den Betrachter in einen gedankenfreien Jetzt-Moment führen und möglicherweise eine anhebende Wirkung bei diesem schaffen. Aktuell studiert Bildende Kunst an der Universität der Künste Berlin.

Marc Siebenhüner nutzt das Medium der Malerei um vor allem seine Gedanken zu kommunizieren, die er aus seinem Theologiestudium schöpft. Sein Können setzt auf Hinterfragen. Er untersucht die Notwendigkeit des Glaubens und das menschliche Verhalten, indem er Collagen und Modifikationen von Motiven Cranachs des Älteren und Dürers in neuen Zusammenstellungen malt. Sein Schwerpunkt ist das Zeitalter der Renaissance. Er studiert Bildende Kunst an der Universität der Künste und evangelische Theologie an der Humboldtuniversität.

An Marcs Werk schließt sich ein weiterer Künstler an: Christian Werner. Sein Können setzt auf Spielen. Von 2008 bis 2011 absolvierte er ein Schauspielstudium am Europäischen Theaterinstitut Berlin (ETI) und arbeitet aktuell als freischaffender Schauspieler und Sprecher.


Wir freuen uns heute Abend diese Künstler über ihre Werke präsentieren zu können.

Die Werke als Schau und die Schau als Werk.

Eben diesen Sprung in eine andere Aufmerksamkeit, der sich erst im Zusammenspiel von Subjekt und Objekt entfalten kann, also dem Zusammenwirken von Künstler, Werk und Betrachter, möchten wir mit dem Schauwerk unterstützen.

Dazu sind wir auch auf Ihre und Eure Unterstützung angewiesen. Denn erst der Fakt, dass unsere Gäste zu Mitgliedern im Schauwerk werden, ermöglicht es uns weiterhin die SCHAUen nicht nur zu denken und zu fühlen, sondern sie auch konkret umzusetzen. Wer Interesse hat, wendet sich bitte an uns Gründungsmitglieder (Handzeichen) oder schaut sich hier im Raum nach Mitgliedsanträgen um – und natürlich auch auf unserer Website.

Mit einem Satz aus unserem Manifest möchte ich abschließen:
Für uns zeichnen Leben und Kunst Gemeinschaft und Freundschaft, in diesem Sinne,

Ihnen und Euch einen schönen Abend!